Wenn jemand zum ersten Mal CBD ausprobieren möchte, kommt fast immer dieselbe Reihe an Fragen. Was ist das überhaupt? Macht das was im Kopf? Ist das legal? Was bringt es eigentlich? Und woran erkenne ich ein gutes Produkt?
Ich beantworte diese Fragen seit Jahren, in der Werkstatt, am Telefon, bei Kunden, die in unsere Manufaktur kommen. Heute möchte ich dir die sieben Sachen aufschreiben, die ich für die wichtigsten halte, bevor man zum ersten Mal ein CBD-Öl in der Hand hält. Keine Werbeprosa, sondern das, was ich auch meinem eigenen Bekannten ehrlich sagen würde.
Das Wichtigste in Kürze
- CBD ist nicht psychoaktiv. Es macht nicht "high" und es ist nicht abhängig.
- CBD ist in Österreich und Deutschland legal, wird aber als Aromaöl verkauft, nicht als Lebensmittel.
- CBD wirkt indirekt über das körpereigene Endocannabinoid-System, nicht wie eine klassische Tablette.
- Die Wirkung ist individuell, langsam und nicht bei jedem gleich. Geduld ist wichtiger als die Dosis.
- Qualität ist der größte Unterschied zwischen Produkten. Viele Online-CBD-Produkte halten nicht, was auf der Verpackung steht.
1. CBD macht nicht high
Das ist die häufigste Verwechslung. Cannabidiol, kurz CBD, ist einer von über 100 Wirkstoffen in der Hanfpflanze. Der bekannte berauschende Wirkstoff ist Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Das sind zwei verschiedene Stoffe, auch wenn sie aus derselben Pflanze kommen.
CBD hat keine berauschende Wirkung. In den großen Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation aus 2018 wurde ausdrücklich festgestellt: reines CBD zeigt keine Anzeichen von Abhängigkeitspotenzial oder Missbrauchspotenzial. Es ist auch nicht für Verkehrsteilnehmer relevant, solange das Produkt weniger als 0,2 Prozent THC enthält, was bei seriösen Herstellern der Fall sein muss [1].
Ich sage es immer so: CBD entspannt, aber es benebelt nicht. Du kannst damit Auto fahren, du kannst damit arbeiten, du wirst nicht abhängig. Das ist der wichtigste Unterschied zu THC und es ist ein Grund, warum CBD überhaupt frei verkäuflich ist.
2. CBD ist in Österreich und Deutschland legal
Aber mit einer Besonderheit, die du kennen solltest. CBD-Öl wird in Österreich rechtlich nicht als Lebensmittel verkauft, sondern als Aromaöl oder Kosmetikum. Das hat einen regulatorischen Hintergrund: CBD-haltige Produkte fallen in der EU unter die sogenannte Novel-Food-Verordnung, was bedeutet, dass für den Verkauf als Lebensmittel eine eigene Zulassung nötig wäre, die in der Praxis kaum ein Hersteller hat.
In der Realität wird CBD trotzdem von vielen Menschen eingenommen. Der Verkauf als Aromaöl ist die etablierte Lösung, mit der die Branche arbeitet. Was du daraus mitnehmen solltest: das ist alles nicht schwarz oder weiß, sondern ein Bereich, der sich noch entwickelt. Solange du bei seriösen Anbietern aus Österreich oder Deutschland kaufst, bist du auf der rechtlichen sicheren Seite.
3. CBD wirkt über ein körpereigenes System
Das ist der Punkt, an dem ich gerne ein bisschen mehr ausschweife, weil es so spannend ist. Unser Körper hat ein eigenes Regulationssystem, das in der Schule kaum jemand lernt: das Endocannabinoid-System, kurz ECS. Dieses System hat Rezeptoren in fast jedem Organ und ist beteiligt an der Regulation von Stimmung, Schlaf, Schmerz, Immunabwehr, Appetit und Stressreaktion.
Das ECS produziert auch eigene Botenstoffe, die dem CBD chemisch ähnlich sind. Diese körpereigenen Stoffe werden bei Bedarf hergestellt und wieder abgebaut. Wenn CBD von außen dazukommt, greift es nicht wie ein Schalter ein, sondern unterstützt dieses System dabei, sich besser ins Gleichgewicht zu bringen [2]. Das ist auch der Grund, warum die Wirkung so individuell ist: bei jedem Menschen ist das ECS ein bisschen anders aufgestellt.
Wenn dich das tiefer interessiert, habe ich mit Leonie einen eigenen Artikel zur Wirkung von CBD geschrieben. Da gehen wir genauer darauf ein.
4. CBD wirkt nicht wie eine Tablette
Das ist die Sache, die in der Beratung oft zu Frust führt. Viele erwarten von CBD eine Wirkung wie von einer klassischen Schlaftablette oder einem Schmerzmittel: jetzt nehmen, in 30 Minuten merken, fertig. So funktioniert CBD nicht.
CBD wirkt langsam und kumulativ. Es greift in Regulationssysteme ein, die sich erst über Tage und Wochen anpassen. Ich sage in der Beratung immer: gib dir zwei bis drei Wochen, beobachte dich, und entscheide dann. Wer nach drei Tagen aufhört, wird selten erleben, wozu CBD im Stande ist. Und wer eine zu kleine Dosis nimmt, wird oft denken, das Produkt wirke nicht, dabei war es einfach zu wenig.
Wenn dich das mit der richtigen Menge interessiert, hat Leonie eine eigene Anleitung zur CBD-Dosierung geschrieben. Da steht alles drin, was du brauchst.
5. Vollspektrum ist nicht dasselbe wie Isolat
Auf vielen Flaschen steht "Vollspektrum", auf anderen "Isolat" oder "Breitspektrum". Das ist ein wichtiger Unterschied. Ich erkläre es kurz:
- Vollspektrum-CBD-Öl enthält neben CBD auch alle anderen natürlich vorkommenden Cannabinoide, Terpene und Flavonoide aus der Hanfpflanze, in den Mengen, die in der Pflanze drin sind. Inklusive einem winzigen Anteil THC, der gesetzlich unter 0,2 Prozent liegen muss.
- Breitspektrum-CBD-Öl enthält das gleiche, aber THC wurde herausgefiltert. Praktisch null THC.
- CBD-Isolat ist reines CBD, in Pulverform oder gelöst in einem Trägeröl. Keine anderen Cannabinoide, keine Terpene.
In der Forschung gibt es einen Begriff, der "Entourage-Effekt" heißt. Damit ist gemeint, dass die natürliche Mischung aus CBD mit den anderen Pflanzenstoffen meist besser wirkt als CBD allein. Die Forschungslage ist noch nicht abgeschlossen, aber meine persönliche Erfahrung, die sich mit dem deckt, was mir Kunden berichten: ein gutes Vollspektrum-Öl bringt für die meisten Menschen mehr als ein Isolat. Das ist auch der Grund, warum wir bei uns ausschließlich Vollspektrum verarbeiten.
6. CBD ist sicher, aber nicht für jeden
Die Weltgesundheitsorganisation hat in ihrem Bericht 2018 festgestellt, dass CBD selbst in Mengen bis 1500 Milligramm pro Tag gut verträglich ist und ein günstiges Sicherheitsprofil hat [1]. Das sind weit höhere Mengen, als üblicherweise empfohlen werden. Trotzdem heißt "sicher" nicht "für jeden geeignet". Wer auf andere Pflanzenstoffe empfindlich reagiert, sollte langsam einschleichen. Und bei chronischen Erkrankungen gehört das Thema einmal in ärztliche Hände.
7. Die Qualität entscheidet, nicht der Preis
Das ist die Sache, bei der ich am ehesten warne. Der CBD-Markt boomt, und mit dem Hype kommen auch schwarze Schafe. Eine große amerikanische Studie hat 84 online verkaufte CBD-Produkte im Labor analysiert. Das Ergebnis war ernüchternd: nur etwa 31 Prozent enthielten den CBD-Gehalt, der auf der Verpackung stand. Etwa 43 Prozent enthielten mehr als angegeben, 26 Prozent weniger. Bei einigen Produkten wurde kaum noch CBD nachgewiesen [3].
Ich erzähle dazu manchmal eine Geschichte aus dem eigenen Erfahrungsschatz. Ein Bekannter hat sich ein günstiges CBD-Öl bei Amazon bestellt, weil es viele gute Bewertungen hatte. Nach ein paar Wochen kam er zu mir und meinte, es würde überhaupt nichts spüren. Ich habe das Öl ins Labor meines Vertrauens geschickt und es analysieren lassen. Ergebnis: kein CBD drin. Reines Hanfsamenöl, gelb verpackt, "CBD" auf dem Etikett. So etwas gibt es. Nicht oft, aber oft genug, dass es ein Thema ist.
Wenn du jetzt anfangen möchtest
Das ist die ehrlichste Antwort, die ich geben kann: lies dich kurz ein, schau dir an, ob ein Hersteller transparent ist, und probiere mit niedriger Dosis vorsichtig aus. Wenn dir der Einstieg unsicher ist, dann gibt es bei uns eine persönliche Beratung. Da spricht meine Tochter Leonie mit dir, hört zu, fragt nach, und wir schauen gemeinsam, was Sinn macht. Manchmal ist die ehrliche Antwort auch, dass CBD bei deinem konkreten Anliegen nicht das richtige Werkzeug ist.
Wir machen das seit Jahren, und ich bin überzeugt: ein gutes Gespräch bringt mehr als jede SEO-Liste. Auch wenn ich gerade selbst eine geschrieben habe.
Wenn du Fragen hast, schreib mir.
Dein Thomas
- World Health Organization Expert Committee on Drug Dependence (2018). Cannabidiol (CBD): Critical Review Report. Geneva, 4-7 June 2018. who.int/Cannabidiol Critical Review Report
- Pisanti, S., Malfitano, A. M., Ciaglia, E., Lamberti, A., Ranieri, R., Cuomo, G., Abate, M., Faggiana, G., Proto, M. C., Fiore, D., Laezza, C., & Bifulco, M. (2017). Cannabidiol: State of the art and new challenges for therapeutic applications. Pharmacology & Therapeutics, 175, 133-150. doi.org/10.1016/j.pharmthera.2017.02.041
- Bonn-Miller, M. O., Loflin, M. J. E., Thomas, B. F., Marcu, J. P., Hyke, T., & Vandrey, R. (2017). Labeling Accuracy of Cannabidiol Extracts Sold Online. JAMA, 318(17), 1708-1709. doi.org/10.1001/jama.2017.11909